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Von dem vielen technischen Schnickschnack, der einen nicht zuletzt in Synchronstudios umgibt, sind meine Favoritinnen eindeutig die schicken, digitalen Anzeigetafeln, auf denen man im Eingangsbereich sehen kann, wer gerade wo und was aufnimmt. Diese Tafeln, die im Design den Infowänden auf Flughäfen nachgebildet sind, geben dem Ort sofort ein internationales und modernes Flair.
Andere Firmen begnügen sich noch immer mit dem (analogen) Auslegen der aktuellen Dispo-Listen, was den gleichen Zweck erfüllt, nämlich zu informieren, in welches Studio man gehen muss, um selbst zu sprechen – oder nette Kolleg*innen zu be- suchen und bei der Arbeit zu stören…
Bei der Gestaltung der Rubriken einer solchen Anzeigetafel sieht man dann zum Beispiel Folgendes:

Man könnte natürlich auch Ton und Cut als Bezeichnungen wählen, was ebenso neutral wie Regie wäre, aber es sind eben mal wieder die männlichen Begriffe gewählt worden. Und die schließen ja die weibliche Form mit ein, wie immer wieder von informierter Seite klargestellt wird. Neben Modernem finden sich in den Studios aber auch jede Menge formschöner und praktischer Antiquitäten: Zuweilen wurden z.B. hochmoderne Pulte wieder durch alte Notenständer (geschätzt: aus den 80er Jahren) ersetzt, weil die dann doch praktischer sind. Ein weiteres, verblüffendes Phänomen ist die Tatsache, dass häufig eine antike VHS-Cassette(!) dazu dient, den Dialogbuch-Ordner so auf Höhe zu bringen, dass in Richtung Mikrofon und nicht „auf ’s Pult“ gesprochen wird.
Apropos auf’s Pult: Dorthin strahlt Licht. Licht, das man braucht, um den Text lesen zu können. Aber nicht jede Lichtquelle erfüllt blendfrei diese schlichte Anforderung. Und das Teuerste ist auch nicht immer das Beste. Aber das Billigste auch oft gerade gut genug. Das Lichtdesign, d. h. eine (regelbare) Mischung aus Raumhelligkeit, Pultbeleuchtung und Strahlkraft des TV- oder Beamer-Bildes kann in den verschiedenen Studios sehr unterschiedlich sein. Deshalb: Vorsicht in dunklen Ateliers! Stolperfallen lauern oft direkt hinter der Tür. Zumindest fällt man dann (dem X-en sei Dank!) nicht mehr so häufig über oder gar auf dort sitzende Kolleg*innen.
Auch beim Mobiliar – vor und im Atelier – findet sich Neues (z.B. Modell „Ganz in Weiß“ oder „Ein Hauch von Asien“) neben Stühlen, Tischen und Couchgarnituren, die augenscheinlich beim erfolgreichen Beutezug eines „Trödel-Trupps“ ergattert wurden. Die sind dafür jedoch wiederum bequem und fast schon gemütlich. Weil vor vielen Studios aber auch häufig gar keine Sitzgelegenheiten mehr angeboten werden, hocken dort (bei Ensemble-Terminen) erwachsene Menschen auf dem Fußboden, oder sie lesen, telefonieren oder chatten im Stehen – nicht anders als in Bus & Bahn im Berufsverkehr.
Insgesamt ist es beruhigend, dass unsere Arbeit nicht gänzlich durch neue Technik umgekrempelt wird, sondern dass es doch immer noch Nischen für nützliche Dinge aus der guten alten Zeit gibt. Aber wohin sind bloß die vielen Aschenbecher von damals verschwunden?

Stefan Krause
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Synchronisiert schon seit analogen Zeiten in Hamburg, München und (hauptsächlich) Berlin. Er ist seit Anbeginn Mitglied des IVS und der Gewerkschaft ver.di, seit 2007 in der Redaktion der UNSYNCBAR und seit 2019 in der SCHAUSPIEGEL-Redaktion.
Er lebt, liest und arbeitet autolos & mobil in Berlin-Kreuzberg.