Seite wählen

Beständigkeit
Wer nicht dranbleibt, nicht ständig connected/ netzwerkt, bewegt sich nicht aus seiner Komfortzone. Es reicht zum Beispiel bei weitem nicht, in einer Agentur zu sein und sich zurückzulehnen. Halte die Caster*innen immer wieder auf dem Laufenden, update und pflege deine Portale und erhöhe damit die Chance, dass an dich gedacht wird. Betrachte die Aussendungen drei- bis viermal im Jahr an die Caster*innen wie ein Los, das du in den Topf wirfst, irgendwann erwischst du den richtigen Moment, in dem genau dein Los gezogen wird, du der richtige Typ bist. Besuche gute, wertige Workshops, baue bestimmte Skills aus, alles, was dich individueller macht, erhöht deine Chancen. Schreibe Regisseur*innen an, die du toll findest, versuche, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, über Social Media oder auf Festivals. Hier empfehle ich vor allem die Kleinen, wie das Ophüls in Saarbrücken oder das Filmfestival in Hof. Eine große Dosis Vitamin B sorgt für eine gesunde Karriere.

 

Sichtbarkeit
Wer nicht weiß, dass es dich gibt, kann dich auch nicht besetzen. Zeige deine Arbeit auf Social Media. Gib den Menschen die Chance, dich ein wenig kennenzulernen. Das Beste, was dir gelingen kann, ist mit den Adjektiven verknüpft zu werden, wie du auch be- setzt werden möchtest. Ich mache ziemlich viel dafür, als komischer Typ wahrgenommen zu werden und ja, mir ist die Doppeldeutigkeit des Begriffes durchaus bewusst, aber ich spiele eben die „komischen Typen“ auch am liebsten. Du willst der nächste Actionstar werden, dann zeig mir auf deinem Profil Videos von deinem Stunttraining oder Parkourlauf. Du siehst dich als Komiker, aber ich entdecke nicht einmal einen lustigen Spruch, ein lustiges Video von dir auf deinemProfil? Wie soll ich denn auf dich kommen? Mache deine Stärken sichtbar!

Mache deine Stärken sichtbar!

Versuche du zu sein, keine Kopie, denn die Person, die du authentisch bist,
ist einzigartig.

 

Selbstbewusstsein
Finde dich selber gut, irgendwann tun es die an- deren auch. Wenn du selbst nicht an dich glaubst, deinen Glauben an dich nicht ausstrahlst, wie soll ein Fremder das dann tun? Stelle dein Licht nicht unter den Scheffel. Du darfst auch mal ein*e kleine Hochstapler*in sein, aber übertreibe es nicht. Besser selbstbewusst das Kleine verkaufen, was man gemacht hat und dazu stehen, verpacke es mit Humor. Du bist auch dein*e eigene Marketingagent*in und die sollte deine vielleicht auch manchmal verplante Künstler*in gut verkaufen.

 

Identität
Wer nicht weiß, wer er ist, sich als „Produkt“ nicht kennt, kann sich auch nicht verkaufen. Versuche du zu sein, keine Kopie, denn die Person, die du authentisch bist, ist einzigartig. Es hilft auch, einen Blick auf sich von außen zu haben. Wie wirke ich, welche Rollen würde man mir abkaufen, nur rein vom Äußerlichen – mach mal eine Umfrage unter Freund*innen, aber auch unter Menschen, die dich kaum kennen. Eine gute Idee ist zum Beispiel auf Facebook oder Insta, wenn du ein neues Schauspielfoto postest, zu fragen: „In welchen Rollen würdet ihr mich damit sehen?“ Ansonsten empfehle ich auch sehr die Typisierung bei Tim Garde. Was ist der Rollentypus, den du besser spielen kannst als jede*r andere? Ich habe festgestellt, mir liegen besonders die Spießer/Nerds/sympathischen Loser und komischerweise Geistliche und ich habe einen großen Spaß, diesen Rollentypus den Leuten aufs Auge zu drücken. Finde deine Schublade und sei darin so gut, wie du nur kannst. Nach und nach wirst du daraus ausbrechen können und zu weiteren Besetzungsideen inspirieren.

Selbstkritik
Nur so entwickelst du dich weiter. Sie sollte aber nicht selbstzerfleischend sein. Studiere deine Arbeit, schaue dich an. Es ist zu Anfang hart, aber glaube mir, es hilft ungemein. Wo hast du dir nicht geglaubt, zu viel gemacht, kommt rüber, was du ausdrücken wolltest?

 

Kreativität
Frage nicht, wie machen es die anderen, sondern vielmehr wie macht es KEIN*E andere*r? Meine Anschreiben sind immer mit Humor. Ich erfinde laufend neue Figuren, mit denen ich Menschen zeige, dass ich mich als Komiker verstehe. Wobei gerade hier falsch ist, dir eine detaillierte Anleitung zu geben. Hier ist dein leeres Feld, in dem du dich der Welt in den buntesten, poetischsten, abgefahrensten Farben präsentieren kannst. Sei nicht wie jede*r andere*r.

 

Such dir Vorbilder
Es klingt wie ein Widerspruch zum vorherigen Punkt, aber irgendwie brauchen wir auch immer wieder jemanden, der uns an die Hand nimmt, wenn wir nicht weiterwissen. Vielleicht hast du diese Kolleg*in und kannst dir Rat holen, aber du brauchst sie nicht, du kannst sie dir erschaffen. Meine Methode ist folgende: Ich habe mir einen Kollegen mit ähnlichem Profil gesucht, ca. fünf Jahre älter und ein, zwei Schritte weiter als ich. Dieser Kollege weiß davon nichts, aber immer, wenn ich nicht weiter weiß, ist seine Herangehensweise, sind seine Rollen, die er spielt, seine Bilder, das Demo ein Richtungsweiser für mich, auf was ich zu achten habe oder was ich als Nächstes angehen sollte. Des Weiteren habe ich auch noch das ganz große Vorbild, den Star, der es geschafft hat. Dieser Star weitet den Horizont für mich, zeigt mir, was möglich ist. Erst wenn ich weiß, es ist möglich, den Gedanken zulasse, kann ich es auch schaffen.

Frage nicht, wie machen es die anderen, sondern vielmehr wie macht es KEIN*E andere*r?

 

Dankbarkeit
Sei dankbar für die Jobs, die du bekommst, empfinde Dankbarkeit, strahle Dankbarkeit aus. Denn wer Dankbarkeit lebt, kann unmöglich verbittert sein.

Ich wünsche mir diesen Zusammenhalt in der gesamten Branche. Kolleg*innen, die mehr miteinander teilen, mehr in den Austausch gehen.

Auf dankbare Menschen wird man immer wieder zurückkommen. Schreibe jeden Abend oder Morgen die Dinge auf, für die du dankbar bist. Es wird dafür sorgen, dass du immer mehr im Alltag nach Dingen suchst, für die du dankbar sein kannst, es programmiert dich zu einem glücklicheren Menschen um.

All diese Dinge weiß ich und habe sie nieder- geschrieben und trotzdem vergesse ich sie immer wieder. Deswegen bin ich gerade dankbar, durch diesen Artikel mir das alles wieder bewusst gemacht zu haben und etwas weitergeben zu können. Ich wünsche mir diesen Zusammenhalt in der gesamten Branche. Kolleg*innen, die mehr miteinander teilen, mehr in den Austausch gehen. Lasst uns keine Kon- kurrent*innen sein, lasst uns gegenseitig supporten, feiert die Erfolge der anderen und lasst euch für eure Erfolge feiern. Unser Beruf ist auch Lebenszeit und wir alle wünschen uns vor allem ein schönes Leben, es ist ohnehin viel zu kurz.

NIKOLAI WILL
+ posts