
Während männliche Kollegen oft weiterhin interessante Hauptrollen übernehmen, sehen sich viele talentierte Schauspielerinnen mit begrenzten Möglichkeiten konfrontiert, wenn sie eine bestimmte Altersgrenze überschreiten. Es gibt Kolleginnen, die sprechen da schon von der 35-Jahre-Marke. Bitter und enttäuschend, wenn man bedenkt, dass Frauen ab einem gewissen Alter so viele spannende Geschichten aus der Mitte ihres Lebens zu erzählen haben.
Starke Frauen – Starke Worte
Um auf diese Diskriminierung hinzuweisen, hat der Bundesverband Schauspiel in Kooperation mit dem Bundesverband Casting (BVC) und dem Verband der österreichischen FilmschauspielerInnen (VÖFS) auf der TeleVisionale in Baden-Baden ein Panel durchgeführt. Im Rahmen des sehr familiären und leidenschaftlich geführten Film- und Serienfestivals kamen der BFFS und seine Partnerverbände mit Entscheidungsträger*innen und Branchenexpert*innen ins Gespräch und konnten sich lösungsorientiert austauschen.
Nach einem Reality Check, wie Frauenfiguren in der Fernsehlandschaft aktuell dargestellt werden, z. B. als stereotypische Mutterfiguren, nichtssagende Großmütter oder Frauen, die ab 40 Jahren keinen Sex mehr haben, gab es anschauliche Szenen, die von Schauspielerinnen und Schauspielern live gespielt wurden. Durch die humorvolle und auch benötigt überzogene Darstellung – typische Männerrollen wurden von Frauen gespielt und gefühlsbetonte Männer tauschen sich über eiskalte Ehefrauen aus – wurde nochmal spürbar, mit welchen Mitteln uns Zuschauer*innen eine völlig befremdliche Welt vorgegaukelt und die Lebensrealität abgesprochen wird. Wir werden nie über die Frauendiskriminierung hinauswachsen, wenn nicht alle gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um solche Klischees im Keim zu ersticken. Da sind Produzent*innen, Redakteur*innen, Autor*innen, Filmförderungsanstalten gleichermaßen gefragt, wie wir Schauspieler*innen und Caster*innen, die immer wieder auf Altersdiskriminierung von Akteur*innen und auf das Potenzial von Frauen unterschiedlichen Alters hinweisen.
Die Energie und der zustimmende Applaus im Publikum zeigten, dass die Bewegung für mehr Diversität und Inklusion an Fahrt aufnimmt, dennoch bleibt die Altersdiskriminierung ein hartnäckiges Problem.
Wir werden nie über die Frauendiskriminierung hinauswachsen, wenn nicht alle gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um solche Klischees im Keim zu ersticken.
Jetzt oder Nie!
Auf dem anschließenden Panel, moderiert von Barbara Rohm, culture change hub, mit den wunderbaren Gästen: Anja Dihrberg-Siebler, Castingdirektorin BVC, Anne Schäfer, Schauspielerin und Intimacy Coordinator, Marianne Wendt, Drehbuchautorin und Showrunnerin, wurde deutlich, es benötigt mehr als nur Gespräche und Forderungen auf dem Papier, sondern es müssen konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Dafür hat der BFFS Handlungsmaßnahmen auf einem Plakat drucken lassen, welches an alle Redaktionen und Entscheidungsträger*innen dieses Landes verschickt wurden und werden. Auch die Förderung von Drehbüchern, die eine realistische Darstellung von Frauen jeden Alters ermöglichen, sowie die Schaffung von Führungsebenen, die prüfen, wie Frauenfiguren dargestellt werden, sind entscheidende Schritte, um einen Wandel herbeizuführen.
Ende gut – alles gut? Noch lange nicht!
Es ist an der Zeit, dass die Filmindustrie ihre Einstellung zum Altern überdenkt und den Fokus auf die Talente und Geschichten legt, die Frauen in jeder Phase ihres Lebens zu erzählen haben. Das ist unsere vielfältige Realität. Und nur so kann der Vorhang für eine Gleichberechtigung und Wertschätzung in der Welt der Filme aufgehen.
Frauen müssen NICHT ab einem gewissen Alter überwiegend als überforderte Mütter, eiskalte Geschäftsfrauen, Omas oder betrogene Ehefrauen erzählt werden. Immerhin machen Frauen über 50 Prozent der Bevölkerung in DACH aus – deswegen fordern wir mehr Geschichten aus der weiblichen Perspektive. (Zitat: BVC, VÖFS, BFFS).
In einer persönlichen Recherche (nicht repräsentativ) von VÖFS-Vorstandsmitglied Stephanie Lexer und BFFS-Vorstandmitglied Simone Wagner, wurden in den 25 Serien, der letzten drei Jahre, nur drei aus der weiblichen Perspektive erzählt. Würde man das Genre „Coming of Age” noch berücksichtigen, also die Geschichte von jungen Frauen einbeziehen, kommen wir immerhin auf fünf von 25 Serien.

Simone Wagner
ist Mama, Schauspielerin, im Vorstand des BFFS und Familienmanagerin.
Sie lebt mit Mann und Maus im frisch renovierten Einfamilienhaus mit Garten am bayerischen Untermain. Leni geht in die Wolkengruppe, möchte unbedingt ein Pferd im Garten namens Jenny und wünscht sich nichts mehr, als mal eine echte Sternschnuppe zu sehen.