
Mich hat mein neues Mutter-Dasein wesentlich geprägt und ich wäre vermutlich noch in einem völlig anderen Arbeitsverhältnis, wäre ich nicht Mama geworden.
Gleichzeitig stellt diese neue Situation viele Menschen vor unlösbare Probleme. Die Branche darf, nein, sie muss, endlich umdenken und familienkompatiblere Wege finden. Wir alle sollten hierfür nach Lösungen suchen und es braucht mutige Menschen an den richtigen Hebeln, die diese dann auch umsetzen.
Auch ich habe in meinem beruflichen Umfeld unschöne Erfahrungen machen müssen, als bekannt wurde, dass ich ein Kind erwarte. Als weiße hetero Frau habe ich in meinem Leben noch nicht oft eine Form der Diskriminierung erfahren. Das Gefühl war neu und alles andere als schön. Ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es war klar, dass ich mich nach meiner Schwangerschaft beruflich werde umorientieren müssen.
Denn, wenn bei dir beruflich alles auf null gesetzt wird, hast du zwei Möglichkeiten. Du glaubst nichts wert zu sein und machst dich klein oder du sagst dir: Jetzt erst recht!
Also noch eine Geschichte einer frustrierten Mutti, die schmollend mit dem Fuß auf den Boden stampft? Nein. Heute möchte ich darüber berichten, was wir aus Wut und dem Gefühl der Machtlosigkeit alles schaffen können. Denn, wenn bei dir beruflich alles auf null gesetzt wird, hast du zwei Möglichkeiten. Du glaubst nichts wert zu sein und machst dich klein oder du sagst dir: Jetzt erst recht!
Ich habe mich für letzteres entschieden. Ich wollte nicht von vorne beginnen, wieder irgendwo als Assistentin anfangen und mich über die Jahre hocharbeiten. Fuck it! Was hatte ich zu verlieren? Ich entschied mich also für das, was ich mich all die Jahre, während ich mich selbst klein hielt, nicht getraut hatte. Ich wollte Autorin werden!
Und das klingt jetzt so einfach. Zack, ergatterte sie ihren Traumjob und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. That ́s not life. Außerdem war ich immer noch Mutter, wollte für mein Kind da sein, trotzdem eine Karriere. Beides unter einen Hut zu bekommen, bleibt einfach eine Herausforderung.
So merkte ich nach meiner Elternzeit, dass mein neues Angestelltenverhältnis als Autorin in einer Daily Soap neue Hürden zum Vorschein brachte. Ich durfte mich endlich Autorin nennen und Teilzeit in einem Writers Room arbeiten zu können, war fantastisch, aber auch besonders herausfordernd. Du gehst nach Hause, für dein Kind, während deine Kolleg*innen die Geschichten weiterentwickeln. Am nächsten Tag versuchst du, zwischen Tür und Angel das aufzuholen, was die anderen Autor*innen in deiner Abwesenheit geplottet haben. Es ist ein ewiger Spagat zwischen den Welten und ich kann Mütter und Väter wirklich verstehen, die sich beruflich für einen Kompromiss entscheiden. Ein netter Teilzeitjob, flexible Arbeitszeiten, lecker Kaffee und eben stressfreie Zeit mit der Familie..
Aber ich glaube, viele Menschen aus der Branche kennen dieses unbefriedigende Gefühl, zu früh aufgegeben zu haben. Dieser Teil in einem, der raus will, der gesehen werden will. Also muss der raus will, der gesehen werden will. Also musste ich mich wieder einmal entscheiden. Und wer den kleinen Text zu meiner Person bereits gelesen hat, weiß vielleicht, was jetzt kam: Ich machte mich selbstständig. Ich kündigte meine Anstellung, ohne zu wissen, ob ich Erfolg haben würde, ob das überhaupt funktionierte, was ich vorhatte. Wieder wurde der Teil in mir laut, der mich bewahren wollte vor einem Fehler, der mich klein hielt, um mich zu schützen. Wer sagt, dass das gut geht, Sarah? Niemand. Aber ich wusste eben, was ich nicht wollte, und so hatte ich keine andere Wahl als mutig zu sein und wieder einmal ins kalte Wasser zu springen. Und ich sag’s euch, das Wasser war eiskalt. In so einem Moment kommen ganz alte Themen hoch, Selbstzweifel, Ängste, Selbstsabotage. Aber es hatte schon mal geklappt, ich war schon einmal gesprungen, als ich dachte, keine andere Wahl gehabt zu haben. Also tat ich, was Autor*innen halt so machen. Ich pitchte … und bekam meine ersten Aufträge als selbstständige Drehbuchautorin. Holy shit, es hatte funktioniert! Ich hatte aus einer vermeintlich aussichtslosen Situation meinen Traumberuf kreiert. Nicht nur das, die neue Freiheit meiner Selbstständigkeit und das damit verbundene Selbstbewusstsein brachte mich auch zurück zu meinen Wurzeln – zur Schauspielerei.
Denn diese hatte ich, weit vor der Familienplanung, nach Jahren der festen Anstellung in einer Soap damals aufgegeben, aber nie zu lieben aufgehört.
Wer das kalte Wasser einmal gespürt hat, der lernt darauf zu surfen. Wieso nicht nochmal einen Versuch wagen? Es könnte ja gut werden …
Jetzt kennt ihr meinen Status Quo. Als Autorin kann man natürlich wesentlich flexibler arbeiten als in anderen Berufen der TV-Branche. Die Problematik, Karriere und Familienleben beim Film- und Fernsehen miteinander zu vereinen, bleibt gegeben und verlangt eine Generalüberholung. Trotzdem können wir uns entscheiden, die Opferrolle anzunehmen oder für uns selbst und unsere Talente einzustehen und gemeinsam etwas zu verändern.SARAH V. ZIELKE
