
Das Versprechen, „Alle mitzunehmen“ oder, och dramatischer, „Niemanden zurückzulassen“, ist eine gern benutzte und in letzter Zeit schon etwas überstrapazierte Formulierung – aus dem Mund von Politiker*innen oder als mahnende Überschrift in den Qualitätsmedien. Je mehr die Gesellschaft augenscheinlich auseinander driftet und die Zahl der „Abgehängten“ zunimmt, um so öfter wird der Anspruch und die Pflicht betont, dieser Entwicklung entgegenzuwirken – meistens mit guten Worten, zuweilen auch mit Geld. Vorausgesetzt, der Staat (konkret: das Finanzministerium) hat noch Geld dafür übrig, dieser hehren Aufgabe nachzukommen.
Weil sich auch der BFFS „Inklusion“ auf die Fahnen geschrieben hat, halten wir das natürlich auch in unserem Magazin so. Aber wenn wir, wie es ein Kollege formulierte, „… alle Diversitäten, Geschlechter und Ethnien in unserem Verband vertreten …“, müsste man vielleicht auch mal definieren, was nicht unter diese Inklusion fällt? Wie weit geht unsere Toleranz, und wo ziehen wir eine Grenze, vertreten eine Position und zeigen Haltung?
Wenn eine Partei wie die AfD laut Umfragen bundesweit über 20 Prozent Wähler*innen bekommen könnte, und ihre Werte in einigen Bundesländern bei weit über 30 Prozent liegen, könnten wir uns fragen: Wie hoch ist der Anteil potentieller oder auch tatsächlicher AfD-Wähler*innen (oder gar -Mitglieder) im BFFS? Es wäre schön, mit Sicherheit sagen zu können, dass es bei uns keine gibt. Punktum. Und selbstverständlich auch keine selbstermächtigten Reichsbürger*innen, Querdenker*innen oder „Anti-Flüchtlingsunterkunfts-Demonstrant*innen“. Die Liste kann problemlos verlängert werden. Wer sich wünscht, dass der eigene „Verein“, hier: Berufsverband und Gewerkschaft, nur eine Gemeinschaft der „Guten“ und „politisch Korrekten“ ist und nicht auch ein Spiegelbild der Gesellschaft, macht es sich etwas zu leicht. Auch wenn wir beispielsweise das Gender-Sternchen als Standard in unseren Publikationen eingeführt haben, müssen wir nicht glauben, dass das auf hundertprozentige Zustimmung bei unseren Mitgliedern stößt. Aber: Wir machen es trotzdem, weil es zu unserem Credo gehört. Und wenn deshalb kein Mitglied mit Austritt droht, lassen wir es dabei bewenden. Aber soll uns das genügen? Nein, das soll uns nicht genügen.
Nein. Das. Soll. Uns. Nicht. Genügen.
PS.
Landtagswahl Bayern 2023 Landtagswahl Hessen 2023
AfD = 14,6 % AfD = 18,4 %

Stefan Krause
Synchronisiert schon seit analogen Zeiten in Hamburg, München und (hauptsächlich) Berlin. Er ist seit Anbeginn Mitglied des IVS und der Gewerkschaft ver.di, seit 2007 in der Redaktion der UNSYNCBAR und seit 2019 in der SCHAUSPIEGEL-Redaktion.
Er lebt, liest und arbeitet autolos & mobil in Berlin-Kreuzberg.