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Das Forschungsprojekt „Systemcheck“ hat anhand quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden und eines partizipativen Forschungsdesigns Datenlûcken su den Arbeitsrealitâten der Einkommenssituation und dem Stand der sozialen Absicherung geschlossen und Handlungsempfehlungen formuliert.

Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover, dem ensemble-netzwerk e. V. und dem Institute for Cultural Governance Berlin durchgeführt und durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aufgrund eines Beschlusses des Bundestages gefördert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website des BFDK.

Niedrige Einkommen und unzureichende soziale Absicherung

Die erhobenen Daten bestätigen, was vielen Akteur*innen in den darstellenden Künsten bereits lange bekannt war: Die Einkommen sind niedrig und – oft in Zusammenhang damit – die Möglichkeit sich abzusichern, nicht ausreichend:

2021 betrug das durchschnittliche Jahresnettoein- kommen 20.500 Euro – in einem Jahr, in dem durch NEUSTART KULTUR mehr gefördert wurde als je zuvor. Der Gender Pay Gap beträgt fast 30 Prozent und die Haushaltseinkommen, die 2021 im Durch- schnitt 31.500 Euro betrugen, widersprechen der

Annahme, prekäre Einkommen in der Kunst würden durch bessergestellte Partner*innen ausgeglichen. Die Zahlen belegen auch, dass die schon lange vorausgesagte Altersarmut für die Mehrzahl tatsächlich eintreten wird: Im Durchschnitt liegen die subjektiven Rentenerwartungen bei 780 Euro. Auch hier kommt der Gender Pay Gap zum Greifen und führt zu einem Gender Pension Gap: Frauen[*] erwarten eine durchschnittliche Rente von 674 Euro, Männer von 913 Euro.

Solo-Selbstständige in den darstellenden Künsten sind durchschnittlich während 20 Wochen pro Jahr auftragslos. In diesen Zeiten greifen sie häufig auf Rücklagen zurück. Viele der Befragten gaben an, dass diese während der Corona-Pandemie aufgebraucht wurden. Schwangere Solo-Selbstständige erhalten während des Mutterschutzes nur dann finanzielle Unterstützung, wenn sie eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung abgeschlossen haben. Auch die Bemessungsgrundlage des Elterngeldes (Grundlage ist der Steuerbescheid aus dem Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes) ist für Solo-Selbstständige unpassend, da während der Schwangerschaft meist weniger Jobs angenommen bzw. angeboten werden (können) und sich dies ungünstig auf die Höhe des Elterngelds auswirken kann.

Die vollständigen Ergebnisse finden sich in der Abschlussdokumentation von „Systemcheck“.

Handlungsempfehlungen für eine FAIRbesserung der sozialen Absicherung von Solo-Selbstständigen und Hybriderwerbstätigen
Um Verbesserungen herbeizuführen, wurden elf Handlungsempfehlungen und sieben Handlungsoptionen formuliert, letztere beziehen sich nicht explizit auf Sozialversicherungssysteme. Übergeordnete Ziele sind höhere Einkommen und die Möglichkeit einer durchgängigen Absicherung für alle Lebenslagen.

Die elf „Systemcheck“-Handlungsempfehlungen
1. Einkommenssituation umfassend verbessern
2. Personellen Anwendungsbereich im KSVG ausweiten
3. Hybriderwerbstätige im KSVG anerkennen
4. Härtefallfonds gegen Altersarmut einrichten
5. Versorgungskammer gründen
6. Anpassung des Zugangs zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung
7. Durchversicherung für Hybriderwerbstätige
8. Absicherung bei atypischen Einkommensausfällen
9. Vor, während und nach Unfällen unterstützen
10. Bemessungszeitraum für das Elterngeld
11. Garantierte Unterstützung für Gebärende

Sieben weitere Handlungsoptionen
12. Familienvereinbarkeit ermöglichen?
13. Barriere- und diskriminierungsfreie Informationen und Beratung Barrierefreie Antragsmöglichkeiten
14. Barrierefreie Antragsmöglichkeiten
15. Diskriminierungsfreie Algorithmen
16. Qualifizierung bei Versicherungsträgern und Behörden
17. Qualifizierung von Akteur*innen
18. Weiterbildung und Transition für Akteur*innen

Die kompletten Handlungsempfehlungen gibt es in der Abschlussdokumentation und im Policy Paper.
Alle Publikationen von „Systemcheck“ sind in der Mediathek des BFDK.

Über den Bundesverband Freie Darstellende Künste
Der Bundesverband Freie Darstellende Künste setzt sich auf Bundesebene für eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der sozialen Absicherung von Akteur*innen der freien darstellenden Künste ein. Er fördert die Qualifizierung und Vernetzung seiner Mitglieder und berät Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Zudem engagiert er sich in zahlreichen nationalen und internationalen Verbänden und Gremien.
Zu den Mitgliedern zählen 16 Landesverbände sowie sieben assoziierte Verbände. Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite des BFDK.

[*] In der quantitativen Umfrage konnten auch Genderidentitäten jenseits der binären Geschlechtermatrix angegeben werden. Die Fallzahl anderer Genderidentitäten als Frau und Mann waren allerdings zu gering, um sie statistisch auszuwerten.

CILGIA GADOLA
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