
Zur Kontextualisierung kurz etwas zu mir. Ich habe einen Master in einem handwerklichen Studium für meinen Beruf. Ich bin bestens ausgebildet in meinem Fach: Schauspiel. Ich arbeite auf Bühnen, vor der Kamera, als Dozent und in eigenen Projekten, trainiere in Schauspielworkshops und Studios. Ich versuche, von dieser Arbeit hauptberuflich zu leben. Das ist nicht besonders leicht auch wenn mein Typ Mensch als privilegiert beschrieben wird. Durch die ehrenamtliche Arbeit im ensemble-netzwerk e.V. und in den Gewerkschaften bekomme ich verschiedene Themen immer wieder mit. Ich kann mit meiner Perspektive nicht das gesamte Spektrum der Branche abdecken und will ich auch nicht. Deswegen stellt diese Kolumne lediglich den Versuch dar, bestimmte Aspekte des Themas „Drehen in Deutschland“ aus meiner Position zu beleuchten.
No. 1 – Respekt
Ein Casting beginnt meistens mit der kurzfristigen Einladung und bestimmten Bedingungen, die schnell umgesetzt werden sollen. Die Kommunikation wird oft im Sinne einer Einbahnstraße geführt. Nach dem Motto: Wir nehmen alles, was geht und zurückkommt fast nichts und das sei fett gedruckt gesagt, liegt nicht an den Caster*innen. Trotzdem bleibt kein respektvoller Umgang mit mir als Mensch zurück, der sich zeigen und öffnen will. Wenn die Follower*innen-Zahl eine größere Rolle spielt, als das schauspielerische Können, ist das entwürdigend, denn Influencen, sorry to say, ist nicht Schauspiel. Bei der Kino-Premiere von „Das fliegende Klassenzimmer“ Anfang Oktober sagte eine Kinderdarstellerin auf die Frage – Was ihr am meisten Spaß beim Drehen gemacht habe?: „Eine Rolle zu spielen, die nichts mit mir zu tun hat. Und ich wünsche mir weitere Angebote.“
Was ich mir wünsche: Auch Angebote, aber auch Respekt für die Ausbildung, die ich und viele andere haben. Es muss eine Anerkennung geben für Menschen, die handwerklich diesen Beruf ergreifen und gelernt haben. Schauspieler*in sein, kann nicht jede*r. Die, die diesen Beruf gelernt haben, müssen geschützt oder dementsprechend gewürdigt werden.
und könnten gemeinsam unsere Situation fürs Drehen verbessern. Damit würden wir ungerechter und zu niedriger Bezahlung, Machtmissbrauch und z. B. Übergriffen etwas entgegensetzen.
Was ich mir wünsche: Eine der ersten Bedingungen zum Casting eingeladen zu werden oder ein Filmset zu betreten, ist der Gewerkschaftsausweis. Dass in jedem Vertrag, den wir zum Drehen unterschreiben, drin steht: „Dieser Vertrag ist nur gültig bei Mitgliedschaft in einer der folgenden Gewerkschaften: GDBA, BFFS, etc.“
No. 3 – Zeit
Wenn du keine Zeit hast, hast du meistens Stress. Und so wird zuhauf auch gedreht: unter Stress. Jeder Bereich braucht seine Zeit und Menschen, die genau wissen, was sie tun oder anders gesagt: Ich möchte gerne mit Profis arbeiten und die fehlen zu oft am Kopf von Produktionen. Denn: Menschen, die genau wissen, was sie tun, rasten viel seltener aus oder greifen nicht aus Verunsicherung auf Suchtmittel zurück.
No. 4 – Geld
Warum mit dem Budget, das zur Verfügung steht, nicht alle gleich bezahlen? Wer sagt, dass ein Department wichtiger wäre als das Andere? Könnt ja alle mal Dennis Stormer und sein Team fragen, die haben das für ihren Dreh Youth Topia genauso gemacht, hat super funktioniert.