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Es gibt so viele verschiedene Genres im Kino- und Fernsehbereich, dass es den Rahmen sprengen würde, sie an dieser Stelle alle aufzuzählen. Grob gesagt gibt es Produktionen, die eher für Kinder bestimmt sind – wobei es auch hier noch Abstufungen je nach Alter gibt – und Filme und Serien, die der Unterhaltung Erwachsener dienen sollen. Ob romantische Komödie, lustige Sitcom oder der brutale Grusel-Schocker, sie alle haben eine gewisse Zielgruppe und danach richten sich in der Regel Sprachwahl und ggf. auch Sprechtempo.

Je nach Projekt gibt es Redakteur*innen oder Supervisor*innen, die Vorgaben machen bzw. ein Dialogbuch redigieren. Bei manchen Produktionen gibt es generelle Richtlinien vonseiten der Auftraggeberin, dass bestimmte Worte oder Phrasen nicht benutzt werden dürfen. Auch wenn im englischen Original beispielsweise „What the hell?” oder „Oh, God” gesagt wird, soll dann bei der deutschen Synchronisation alles, was mit Gott, Teufel oder auch Fäkalsprache zu tun hat, definitiv vermieden werden. Überhaupt: wenn im Original geschimpft wird und das F-Wort in jedem zweiten Satz vorkommt, ist das bei der deutschen Version oft anders. Und das liegt eben meistens an den Instruktionen der Kund*in.

Sie alle haben eine gewisse Zielgruppe und danach richten sich in der Regel Sprachwahl und ggf. auch Sprechtempo.

Das ist für die Zuschauer*innen häufig nicht ersichtlich, denn wenn man im Kino sitzt, weiß man in der Regel nicht, ob diese spezifische Wortwahl an der Redaktion, der Regie oder dem persönlichen Geschmack der Synchronschauspieler*innen liegt. Da wird dann gern auf die schlechte Übersetzung oder Synchronisation geschimpft. Doch bereits im Vorfeld einer Synchronisation gibt es so viele Instanzen und Stellschrauben, die das Endprodukt maßgeblich beeinflussen oder beeinflussen können.

Manchmal ist es allerdings so, dass Anmerkungen der Redaktion nicht so ganz zu Bild und Originalton passen.

Natürlich gibt es auch viele Projekte, bei denen eine gewisse derbe, brutale Sprache ausdrücklich erwünscht ist, weil es zum Film dazugehört. Da kann man dann fluchen und schreien und sich richtig austoben. Andererseits ist es beispielsweise bei Produktionen, die für Kinder gedacht sind, wünschenswert, dass diese auch verstehen, was in der Serie oder dem Film gesagt wird. Es ist ja wenig sinnvoll, wenn Mama oder Papa jedes zweite Wort erklären müssen, weil es nicht zum Wortschatz eines Vorschulkindes gehört. Oder die Kinder die Serie nicht gucken wollen, weil sie den langen und komplizierten Schachtelsätzen nicht folgen können.

Deshalb ist eine einfachere, kindgerechte Sprache bei Produktionen für Kinder selbstverständlich geboten und zu empfehlen. Und das kann auch sehr viel Spaß machen. Sich als Schauspieler*in in die kindliche Welt hineinzudenken und zu fühlen, führt bspw. nicht selten dazu, dass man automatisch das Sprechtempo anpasst. Und wenn die Wortwahl passt, entsteht häufig auch Spielfreude. Und dann haben nicht nur die Kolleg*innen Spaß an der Arbeit, sondern auch die Zuschauenden – sowohl die Kinder als auch die Eltern.

Alles, was man versteht und nachvollziehen kann, hilft dem Spiel, der Spielfreude und dem Endprodukt.

Manchmal ist es allerdings so, dass Anmerkungen der Redaktion nicht so ganz zu Bild und Originalton passen und das kann sogar merkwürdige Züge annehmen. Wenn im Bild ein Elefant zu sehen ist, dann kann man durchaus auch „Elefant” sagen und muss es nicht als „großes, graues Tier mit einem Rüssel” beschreiben. Es sei denn, das ist Teil der Serie, dass Dinge beschrieben werden. Ein anderes Beispiel: Wenn im Bild ein Zylinder zu sehen ist, über den auch gesprochen wird, wäre es doch gut, ihn auch so zu benennen und nicht lapidar „Hut” dazu zu sagen. Auch wenn nicht jedem Vorschulkind ein Zylinder geläufig ist – kommt ja im normalen Leben auch eher seltener vor – so ist es doch schön, wenn ein Kind neue Worte kennenlernt. Und im besten Fall bei den Eltern nachfragen kann, was ein Zylinder sei.

Aber es kann dann schon mal vorkommen, dass von der Redaktion die Rückmeldung kommt, dass man den Zylinder vermeiden (wie gesagt, der ist im Bild zu sehen) und ihn stattdessen Hut nennen solle. Und wieso? Nun, es gibt Sender, die ganz klar sagen, dass sie keinen Bildungsauftrag haben. Dann kann man den Zylinder eben auch Hut nennen. Oder?

Allgemein kann es beim Synchronisieren schon frustrierend sein, wenn durch redaktionelle Vorgaben oder auch aus anderen Gründen Begriffe verwendet werden, die dem eigenen Sprachgefühl widersprechen oder Phrasen tunlichst vermieden werden müssen, die wiederum sehr gut passen würden. Alles, was man versteht und nachvollziehen kann, hilft dem Spiel, der Spielfreude und dem Endprodukt. Und das soll schließlich am Ende gut werden, damit es sich auch verkauft.

Hinterher ist meistens schwer zu sagen, an welcher Stelle diese und andere Entscheidungen getroffen wurden oder werden. Im besten Fall können sich Regie und Redaktion auf Augenhöhe begegnen, sich austauschen und Änderungswünsche gemeinsam besprechen und Differenzen lösen. Und die Synchronschauspieler*innen diese umsetzen. Denn auch wenn einzelne Sender oder Redaktionen keinen „Bildungsauftrag“ haben (wollen), so prägt die Sprache und damit die Wortwahl in den Filmen und Serien auch die allgemeine Sprache. Je größer und umfassender der Wortschatz, der beim Synchronisieren verwendet wird, desto größer kann der Wortschatz des Publikums werden.

Also: Mut zur Lücke und gern auch mal zu seltenen oder vermeintlich altbackenen Worten greifen. Selbst wenn Dialogbuch, Redaktion oder Regie ein Gerüst vorgeben, sollten Synchronschauspieler*innen ihre Einflussmöglichkeiten trotzdem versuchen zu nutzen. Die deutsche Sprache ist so vielfältig und bunt. Da sollte für jede*n und für jede Zielgruppe was dabei sein.

ILONA BROKOWSKI
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ist in Berlin geboren, ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit 27 Jahren als Synchron- schauspielerin. Seit einigen Jahren ist sie außerdem als Dialogbuchautorin und Synchronregisseurin tätig. Sie hat 2006 die Redaktion der UNSYNCBAR mitgegründet und nach Verschmelzung von IVS und BFFS wurde sie Teil der Redaktion des SCHAUSPIEGELS. Ihr Hauptaugenmerk lag und liegt darauf, die Kommunikation in der Branche

zu verbessern. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.