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DISKRIMINIERENDE SPRACHE
Sprache spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse wider und prägt diese gleichzeitig. Durch stereotype Darstellungen, bestimmte gewaltvolle und herabsetzende Begriffe und Formulierungen werden Diskriminierungen, Verletzungen und Ausgrenzungen wiederholt, sowie Ungleichheitsverhältnisse gestärkt. Zu diskriminierender Sprache gehört auch, dass privilegierte Positionierungen wie weiß, cis und abled meist nicht benannt werden.
Um kein Teil von Diskriminierung jeglicher Form und somit Teil des Problems zu sein, ist es wichtig, die eigenen Privilegien zu reflektieren und das Empathievermögen zu stärken.

ABLEISMUS
ist ein am englischen Wort ableism angelehnter Begriff, der aus der US-amerikanischen Behindertenbewegung stammt. Er beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, indem Menschen an bestimmten Fähigkeiten – laufen, sehen, sozial interagieren – gemessen und auf ihre Beeinträchtigung reduziert werden. Ableismus betont die Ungleichbehandlung, Grenzüberschreitungen und stereotypen Zuweisungen, die Menschen wegen ihrer Behinderung erfahren. Es gibt eine normative Vorstellung davon, was Menschen leisten oder können müssen. Wer von dieser Norm abweicht, wird als behindert gekennzeichnet und immer noch als minderwertig wahrgenommen. Im heutigen Alltag bedeutet Ableismus, dass Menschen mit Behinderung immer damit rechnen müssen, die Ausnahme zu sein. Sie müssen sich oftmals speziell anmelden, um eine Kulturveranstaltung zu besuchen, und können zum Beispiel nicht einfach davon ausgehen, dass der Zugang zum Gebäude oder die Übersetzung in Gebärdensprache gewährleistet sind. Menschen mit Behinderung werden durch stereotype Darstellungen in den Medien diskriminiert und auf ihre Behinderung reduziert. Zudem werden die wenigen Rollen, die es für Menschen mit Behinderung im Film oder Theater gibt, oft von nicht-behinderten Darsteller*innen gespielt, während Schauspieler*innen mit Behinderung(en) es schwer haben, Rollenangebote zu bekommen, zumal solche, bei denen ihre Person und nicht die Behinderung im Vordergrund steht.

AUDISMUS
bezeichnet die Diskriminierung Tauber Menschen. Dieser liegt eine höhere Wertschätzung von Hören und Sprechen und eine Abwertung Tauber Menschen als „defekt“ zugrunde. Viele Hörende haben die Vorstellung, dass ein Leben ohne Gehör minderwertig sei. Eine Folge davon ist die Diskriminierung von Gehörlosenkultur und Gebärdensprache(n), die bis heute als weniger wert betrachtet und marginalisiert werden. Auch wird vielen von ihnen der Zugang zu Veranstaltungen oder Ausbildungen verwehrt, weil diese keine Dolmetscher*innen für Deutsche Lautsprache/ Deutsche Gebärdensprache (DGS) bereitstellen. Zudem stehen nur wenige Informationen in Gebärdensprache zur Verfügung, etwa im Internet. Nicht alle Menschen, die Gebärdensprache als Erstsprache nutzen, können ohne Schwierigkeiten Schriftsprache lesen und schreiben, da diese nach ganz anderen Regeln funktioniert und wie eine Zweitsprache erlernt werden muss.

IM KULTURBEREICH IST AUDISMUS
zum Beispiel daran zu erkennen, dass es in der Mainstream-Kultur sehr wenig Angebote in Gebärdensprache gibt. Es gilt derzeit als gutes Beispiel, wenn Veranstaltungen wie Theaterstücke oder Podiumsdiskussionen in Gebärdensprache übersetzt werden. Eine Gleichbehandlung würde jedoch bedeuten, dass in allen Kulturinstitutionen auch Veranstaltungen in Gebärdensprache stattfinden, die dann in Lautsprache übersetzt werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür wäre, dass taube oder schwerhörige Menschen selbstverständlich im Kulturbetrieb arbeiten können, weil genug hörende Kulturpraktiker*innen auch Gebärdensprache verwenden und offen für eine Zusammenarbeit mit Tauben Menschen sind. Davon ist die Kulturszene derzeit leider sehr weit entfernt. Taube Menschen organisieren daher größtenteils ihre eigenen Events, wie etwa die Deutschen Kulturtage der Gehörlosen, Gehörlosen-Sport-Meisterschaften oder das ViFest, ein Festival für Gebärdensprachler*innen. Ein Community-übergreifendes Projekt ist die Gruppe Shut Up and Sign*Speak, die eine gemeinsame Show hörender und Tauber Spoken Word Künstler*innen kollektiv erarbeitet hat. Die Inititative Deaf Performance Now kritisiert den aktuellen Trend, Musikveranstaltungen zu verdolmetschen, ohne Taube- Dolmetscher*innen und/ oder Taube-Künstler*innen in die Programmgestaltung einzubinden, und fordert mehr Bühnenpräsenz für Taube- Kunstschaffende bei Musikveranstaltungen.

ALTERSDISKRIMINIERUNG
Diskriminierungen wegen des Lebensalters sind weit verbreitet. Häufig steht hinter den Benachteiligungen die Annahme, dass Menschen aufgrund ihres Lebensalters bestimmte Fähigkeiten entweder noch nicht oder nicht mehr besitzen. Solche Zuschreibungen aufgrund des Alters führen zu Einschränkungen von Teilhabe und selbstbestimmtem Leben. Insbesondere der Gebrauch von negativen Altersbildern, Stereotypen, Vorurteilen oder Generalisierungen sind diskriminierend. Dabei kann sich Altersdiskriminierung im Sprachgebrauch äußern, beispielsweise in Form von Beleidigungen. Daneben gibt es strukturelle Altersdiskriminierung in Form altersbegrenzender Regeln, Vorschriften oder Kriterien.

IN DEM BEREICH DER DARSTELLENDEN KÜNSTE
ist Altersdiskriminierung weit verbreitet. Eine Studie des Institutes für Medienforschung der Universität Rostock zeigt zum Beispiel, dass Frauenab Mitte 30 nach und nach in den Medien verschwinden. Bis zu einem Alter von etwa 30 Jahren sind Männer und Frauen noch gleich häufig zu sehen; ab Mitte 30 ändert sich das – dann schrumpft ihr Anteil auf ein Drittel. Ab 50 Jahren ist es ein Viertel. Diese Entwicklung ist in allen Sendern, allen Formaten und Genres die gleiche, auch im Kinofilm.

KLASSISMUS
bezeichnet die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft und/oder der sozialen und ökonomischen Position. Es geht bei Klassismus also nicht nur um die Frage, wie viel Geld jemand zur Verfügung hat, sondern auch welchen Status er hat und in welchen finanziellen und sozialen Verhältnissen er aufgewachsen ist. Klassismus richtet sich mehrheitlich gegen Personen einer „niedrigeren Klasse“. Es werden insbesondere wohnungs- und erwerbslose Menschen, Menschen aus der Arbeiter*innen- und Armutsklasse ausgegrenzt. Der Begriff Klassismus ist ein noch nicht sehr weit verbreiteter Begriff, der „classism“ aus dem US-amerikanischen Kontext ins Deutsche transportiert. Er folgt nicht einer bestimmten Definition von Klasse, wie zum Beispiel der von Marx, Bourdieu oder Max Weber, auch wenn es Überschneidungen zu den Definitionen gibt. Vielmehr wurde mit dem Begriff eine eigene Setzung vorgenommen, bei der nicht davon ausgegangen wurde, dass alle die oben genannten Theorien kennen.

Der Begriff wurde maßgeblich durch die Erfahrungen von Communities geprägt, die mehrfachdiskriminiert werden, also zum Beispiel durch Gruppen innerhalb der Frauenbewegung oder der „Black Movements“, die Klassismus erfahren. Mit dem Begriff werden deswegen verschiedene Diskriminierungsdimensionen aus einer intersektionalen Perspektive berücksichtigt. Außerdem umfasst der Begriff nicht nur die ökonomische Stellung von Menschen, sondern auch die verschiedenen Abwertungserfahrungen auf kultureller, politischer, institutioneller und individueller Ebene. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nennt die soziale Herkunft und Position nicht als Diskriminierungsdimension, das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz hingegen erkennt den sozialen Status an. Wir berücksichtigen Klassismus in unserer Arbeit, da die Klassenherkunft maßgeblich bestimmt, wie leicht wir Zugang zum Kulturbetrieb erlangen, welche Werte wir bestimmten Kunstformen zuschreiben und ob die Werke, die wir schätzen, ein Teil des Kanons sind.

SEXISMUSS
bezeichnet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. In einer männlich dominierten Gesellschaft zeigt sich Sexismus jedoch vor allem in der Abwertung und Marginalisierung von Frauen, trans* Personen und Weiblichkeit im Allgemeinen. (Cis-)Männlichkeit wird hier als Norm verstanden, an der alles gemessen wird.

Der Begriff Sexismus stammt aus dem Englischen (sexism). Im deutschen Kontext gibt es oft das Missverständnis, Sexismus beziehe sich vor allem auf diskriminierende Handlungen, die auf Sexualität bezogen sind, wie etwa sexuelle Belästigung. Obwohl diese Formen der sexuellen Gewalt auch Ausdruck von Sexismus sind, bezeichnet der Begriff jedoch ein sehr viel weiteres Spektrum geschlechtsbezogener Diskriminierung, etwa, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen. In Deutschland verdienen Schauspielerinnen beispielsweise 46 % weniger als Schauspieler. Parallel zur Diskussion über Sexismus verbreitete sich in den 1960er Jahren auch der Begriff Rassismus, der die Diskriminierung ethnischer Gruppen beschreibt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu verstehen, dass verschiedene Diskriminierungsformen sich überschneiden können (Intersektionalität). So ist eine queere, weiblich identifizierte Person of Color auf mehreren Ebenen Diskriminierung ausgesetzt. Die Frauenbewegung der 1960er und der darauffolgenden Jahre war, sowohl in den USA als auch in Deutschland, in der öffentlichen Wahrnehmung weiß dominiert. Schwarze feministische Positionen und Stimmen von Frauen of Color wurden innerhalb der Bewegung zur Seite gedrängt: Ihre Ihre Analysen der Machtverhältnisse, auch zwischen Frauen und auf internationaler Ebene, wurden ignoriert oder unterdrückt. Auch heute besteht die Gefahr, feministische Erfolge auf Kosten anderer marginalisierter Gruppen zu erlangen. Lange wurden von der feministischen Bewegung beispielsweise queer-und transfeministische ausgeblendet oder gar bekämpft. Diese Positionen beziehen die Begriffe Frau/Weiblichkeit und den Umgang mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung nicht nur auf heterosexuelle Cis-Frauen.

SEXISMUS IM KULTURBETRIEB

Im Kulturbereich ist Sexismus sehr gut an der #MeToo-Debatte zu erklären: Theater- oder Filmproduktionen werden meist von (Cis-)Männern geleitet und das Arbeitsverhältnis ist zudem oft hierarchisch strukturiert.
In diesen geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen ist es für männliche Regisseure, Produzenten oder andere Kollegen sehr leicht, die abhängige Position von Frauen auszunutzen und/oder den Frauen Steine in den Weg zu legen. Das kann, ganz abgesehen von sexueller Gewalt, auch bedeuten, dass etwa eine Schauspielerin dafür abgestraft wird, wenn sie sich nicht den möglicherweise sexistischen Regieanweisungen fügt. Durch diese sexistischen Traditionen sind auch die Repräsentationen von Frauen, etwa in Film und Fernsehen, oft klischeehaft und eingeschränkt. Es gibt zum Beispiel deutlich weniger (interessante) Frauenrollen. (Siehe hierzu auch: Bechdel-Test) Ein bekanntes Beispiel aus der Kunstwelt sind die künstlerisch- aktivistischen Statements der Guerilla-Girls, die in den USA die Abwesenheit von Künstlerinnen in den Ausstellungen der Museen anprangerten (1989): „Do women have to be naked, to get into the Met. museum? Less than 5% of the nudes are female./ Müssen Frauen nackt sein, um ins Met. Museum zu kommen? Weniger als 5% (der Kunstwerke) im Bereich Moderne Kunst sind (von) Frauen, aber 85% der Akt-Darstellungen sind weiblich.“

Cissexismus

beschriebt die fälschliche Annahme, es gäbe nur zwei Geschlechter (Mann und Frau) und diese seien eindeutig und unveränderbar, sowie eine weibliche bzw. eine männliche Sozialisation und eindeutig weibliche bzw. männliche Körper. Diese Vorstellungen können unbewusst verinnerlicht sein oder auch aktiv trans* Menschen eingesetzt werden.

Transfeindlichkeit

bezeichnet die Diskriminierung von trans* Menschen und Menschen, die als trans* wahrgenommen werden. Transfeindlichkeit kann sich ausdrücken durch Infragestellen oder Aberkennen der Geschlechtsidentität, durch ihre Unkenntlichkeit (auch sprachlich) durch Ablehung, Ekel, Unbehagen, Vorurteile, Aggression, strukturelle Diskriminierung, sowie durch psychische oder körperliche Gewalt. Transfeindlichkeit kann auch verinnerlicht sein und sich als trans* Person gegen sich selbst und andere trans* Personen richten.

 

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