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JULIA RAHMANN: Die GVL hat vor rund zwölf Jahren begonnen, ihr Geschäft mit den Künstler*innen ins Digitale zu verlegen. Wie weit fortgeschritten ist die GVL dabei?
LOUIS VAZQUEZ: Ich bin seit sieben Jahren bei der GVL und habe in dieser Zeit erlebt, wie wir uns zu einem sehr spezialisierten digitalen Dienstleister für Leistungsschutzrechte weiterentwickelt haben. Diese Transformation hat die ganze GVL erfasst. Da wir nutzungsbasiert verteilen, verarbeiten wir Unmengen von Daten. In unseren Datenbanken haben wir neben unzähligen Film- und Fernseh- produktionen weit über 30 Millionen Tonträger- produktionen erfasst, außerdem Videoclips und Hörfunkproduktionen. Für jede Verteilung ver- arbeiten wir heute riesige Datenmengen, rund 40 Millionen Sendeminuten im Jahr. Wir haben mehr als 20 Millionen Mitwirkungsmeldungen unserer Künstler*innen in unseren Systemen. Das ist ohne automatische Prozesse und Digitalisierung gar nicht mehr zu stemmen.

Wie wirkt sich das auf Ihre Serviceleistungen für Schauspieler*innen und Synchronschauspieler*innen aus?
Es beginnt, wenn Künstler*innen mit uns einen Vertrag abschließen wollen. Dieser Prozess wird inzwischen überwiegend online abgewickelt. Um danach an Verteilungen teilzunehmen, melden die Künstler*innen ihre Produktionen auf dem Online-Portal meine.gvl und finden dort nach einer Verteilung auch die Auszahlungsdokumente. Außerdem melden wir uns über meine.gvl, falls wir Nachweise für eine Mitwirkungsmeldung brauchen, also zum Beispiel einen Gagenschein, aus dem hervorgeht, dass die Person tatsächlich an einer Produktion mitgearbeitet hat. Viele unserer Berechtigten sind sehr engagiert und senden uns proaktiv Unterlagen als Nachweise zu. Das ist

Das ist ohne automatische Prozesse und Digitalisierung gar nicht mehr zu stemmen.

gar nicht mehr nötig! Wenn wir etwas brauchen, melden wir uns und dann reicht uns ein digitaler Nachweis – ein Scan oder Handyfoto von der relevanten Seite des Vertrags – meistens schon aus. Insgesamt hat sich das Tempo unserer Verifikation der Meldungen durch automatisierte Prozesse er- höht. Dadurch können wir bereits bei den Erst- und Folgeverteilungen mehr Vergütungen ausschütten. Wir möchten es unseren Künstler*innen aber noch einfacher machen, ihre Belange mit der GVL zu regeln. So arbeiten wir zum Beispiel an automatischen Mitwirkungsvorschlägen, die mit nur einem Klick von den Künstler*innen bestätigt werden müssen. Außerdem optimieren wir dahingehend, dass Künstler*innen schon während oder kurz nach einer Drehoder Aufnahmephase ihre Meldungen für die Produktion im Portal abgeben können und diese regelmäßig von uns auf Verteilungsrelevanz geprüft werden. Dieses Feature kann dann zum Beispiel über die SynchronApp bequem genutzt werden.

Wir möchten es unseren Künstler*innen aber noch einfacher machen, ihre Belange mit der GVL zu regeln.

Gibt es denn noch analoge Vorgänge bei der GVL, wo Papiere durch die Hände der Mitarbeitenden gehen?
Die gibt es leider noch, auch wenn wir dabei sind, hier immer weiter zu reduzieren. Aktuell nutzen wir zum Beispiel noch Papierunterlagen, wenn unsere Berechtigten ihre Stammdaten, also Bankverbindung oder Adresse, ändern wollen. Hier brauchen wir derzeit noch die Unterschrift. Aber wir arbeiten dran und wollen diese Vorgänge als Self-Services im Portal anbieten, so dass die Künstler*innen ihre Daten unkompliziert selbst aktualisieren können. Unser Ziel ist ein papierloses Büro – aus Gründen des Klimaschutzes, und um effizienter zu werden. Wir wollen so viel wie möglich digitalisieren, auch um Kosten zu sparen.
Dabei sind wir auf einem guten Weg. Wir arbeiten heute insgesamt deutlich schlanker als noch vor ein paar Jahren und beschränken uns auf das, was wir wirklich benötigen.

Bei aller Digitalisierung – was ist bei der GVL wichtig im Service?
Wir stehen unseren Künstler*innen am Telefon und per Mail bei all ihren Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Das reicht von allgemeinen Fragen zur GVL bis hin zu Abrechnungsfragen. Bei uns erreichst du ein super Team von Kolleg*innen, die die Branche sehr gut kennen und entsprechend fachkundig beraten können. Wir hatten und haben ein persönliches Ohr für die Fragen und Sorgen während der Corona-Zeit oder auch für unsere hochbetagten Berechtigten, die durch das allgemeine Digitalisierungstempo nicht ausgeschlossen werden dürfen. Gleichzeitig nehmen wir das Feedback der Künstler*innen auf, um stetig besser zu werden. Schritt für Schritt soll es für die Künstler*innen immer einfacher werden, ihre GVL-Ausschüttung zu bekommen. Hier hilft die Digitalisierung, denn dadurch haben wir mehr Zeit für die persönliche Beratung.

 

Vielen Dank für Ihre interessanten Einblicke, Louis Vazquez!

LOUIS VAZQUEZ
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Julia Rahmann
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wurde 1989 in Düsseldorf geboren. Nach einigen Auslandsaufenthalten in Italien landete sie schließlich in Berlin, wo sie sich ihrem literaturwissenschaftlichen Studium widmete. Seit letztem Jahr ist sie Teil der Schauspiegel-Redaktion. Neben ihrer redaktionellen Arbeit für den BFFS unterrichtet sie mit viel Leidenschaft Yoga.