
Mir machen die Bilder dieser Tage schwer zu schaffen, erschüttern meine Empathie und lassen mich als liebevollen Menschen verzweifeln. Es ist schrecklich und ich werde trotzdem versuchen, meine Gedanken zu fokussieren, in diesem Fall auf einen wütenden Gedanken in mir.
Krieg und Frieden. Worte, hinter denen sich riesige Welten verbergen. Das Einfache, das schwer zu machen ist. Auf der großen Bühne wollen wir das Eine unbedingt verhindern und das Andere immer wahren. NIE WIEDER. Auch im Theater prangten diese Worte schon auf vielen Bühnenkulissen im Hintergrund – eine Sehnsucht von vielen Menschen. Denn bisher ist NIE WIEDER Krieg eine Utopie auf unserem Planeten und für immer Frieden damit auch. Beides ist und war immer da. Gleichzeitig. Das eine allein existieren zu lassen, ist ein Versuch, der bisher auf lange Sicht scheitert und ein Extremzustand. Nur noch Frieden ist genauso ein Extrem, wie nur noch Krieg. Deswegen Krieg und Frieden. Zwei Extreme im Gleichgewicht?
Zwei Menschen lassen Tausende für ihre Interessen und Machtkämpfe in den Krieg ziehen. Sie hatten mal ein Abkommen, aber dann will ein Mensch sich nicht mehr daran halten. Der Eine kann sich an kein Abkommen mehr erinnern. Im Kampf sterben beide und der Kampf ist erst vorbei, wenn sie Frieden finden dürfen. Dem einen Menschen wird es geschenkt, dem anderen verweigert. Die Hinterbliebenen kämpfen um ihren eigenen Frieden und den der Angehörigen. Und wieder um die Macht, bis sie sie alle zugrunde richtet. Ödipus Stadt. Oder anders: Ein Schädling kommt nachts in unsere Träume, verbrennt alles und ersticht uns. Wir sterben mit großer Freude in unseren Herzen, dass wir beschenkt wurden. Ein trojanisches Pferd.
Die Antike hat uns die Abgründe und perfiden Machtfantasien der Menschen bereits gezeigt und trotzdem sind wir immer noch hilflose Zuschauer*innen eines Schauspiels, wofür wir kein Abo bestellt haben. Und jetzt kommt der wütende Gedanke vom Anfang.
Wir sind Zuschauer*innen, weil wir es die ganze Zeit waren, in den schrecklichen Momenten wird es nur unerträglicher. Wir haben die Verantwortung schon lange vorher an Einzelne übertragen und erschrecken, wenn sie sie missbrauchen. Wir wählen Menschen in Ämter und erwarten, sie wären ehrlicher, verständnisvoller und empathischer als wir selber, ohne vorher herausgefunden zu haben, ob sie es sind oder lassen zu, dass sie sich nehmen, was sie wollen. Aber im Grunde geben wir die Verantwortung ab und sind empört. Die meisten entscheiden sich unbewusst dafür. Wir sind bequem, wenn es darum geht, sich über Krieg und Frieden in der Welt Gedanken zu machen, weil wir Ruhe wollen nach der Arbeit oder was auch immer wir machen. Aber wenn uns Frieden so wertvoll ist, dann müssen wir täglich etwas dafür tun und nicht nur, wenn die Katastrophe schon passiert ist.
