
Keine Frage: Das Synchronisieren von Filmen und Serien ist eine (mehr oder weniger) anerkannte Tätigkeit des Berufs Schauspieler*in.
Und das wiederum ist eindeutig ein künstlerischer Beruf. Andererseits wird in den letzten Jahren verstärkt das Pensum, das heißt die Anzahl der Takes pro Stunde, erhöht, was aber bei weitem nicht in dem Maß kritisiert wird, wie man annehmen könnte. Dass diese Steigerung schlicht mit dem digitalen Fortschritt oder (noch schlichter) mit einem lapidaren „Is’ so!“ erklärt wird, ist an dieser Stelle schon häufig kritisch, aber folgenlos angemerkt worden.
Ein höheres Tagespensum verkürzt a) die benötigte Drehzeit für die Firma und lässt b) die Sprechen- den mehr Geld in kürzerer Zeit verdienen. Aber abgesehen von der Frage, ob immer mehr Takes pro Stunde auch dem künstlerischen Anteil unserer Arbeit zuträglich sind, ist es doch eine Tatsache, dass nicht alle Beteiligten von dieser Arbeitsbeschleunigung* profitieren: Die Kolleg*innen von Ton und Schnitt haben finanziell gar nichts davon, wenn das Fließband schneller läuft. Im Gegenteil: Sie müssen dadurch immer mehr Arbeit leisten – bei gleichbleibender Bezahlung.
Was tun? In der Diskussion über einen zukünftigen Tarifvertrag wurde zumindest schon einmal laut darüber nachgedacht, auch die Schnitt- und Ton-Kolleg*innen nach Takes zu bezahlen. Wie hier konkret eine spürbar bessere Bezahlung, die diese Bezeichnung auch verdient, erreicht werden kann, sollten wir den Kolleg*innen überlassen, die sich in letzter Zeit verstärkt engagiert und organisiert haben. Aber es stünde uns als den Profiteur*innen des „Akkord-Synchrons“ gut an, auch mal an die Anderen zu denken, wenn wir schmerzfrei und gedankenlos die nächste Rekordmarke anpeilen. Wäre da ein bisschen Empathie schon zu viel verlangt? Ach ja: Das altmodische Wort dafür heißt übrigens Solidarität.
* Mein jüngstes Dispo-Highlight verzeichnete sportliche 40 Takes pro Stunde!

Stefan Krause
Synchronisiert schon seit analogen Zeiten in Hamburg, München und (hauptsächlich) Berlin. Er ist seit Anbeginn Mitglied des IVS und der Gewerkschaft ver.di, seit 2007 in der Redaktion der UNSYNCBAR und seit 2019 in der SCHAUSPIEGEL-Redaktion.
Er lebt, liest und arbeitet autolos & mobil in Berlin-Kreuzberg.