
Es ist nicht von der Hand zu weisen: Die Synchronbranche verändert sich – immer schneller und nicht unbedingt immer zum Besten. Das wird zwar schon von vielen Synchronwandel genannt, aber es gibt immer noch genug Stimmen, die daran zweifeln, dass dieser Wandel in erster Linie von Menschen gemacht wird. Dem stehen natürlich eine ganze Reihe seriöser wissenschaftlicher Untersuchungen und Umfragen gegenüber, deren erdrückende Fakten eigentlich nicht zu widerlegen sind.
Und trotzdem werden diejenigen, die schon seit längerer Zeit von einer Synchronkatastrophe sprechen, entweder belächelt oder aber auch der übertriebenen Panikmache und der Nestbeschmutzung bezichtigt. Da steht nun Meinung gegen Meinung, denn die führenden Köpfe der Branche machen sich selbstverständlich ebenfalls Sorgen um den Fortbestand unseres Metiers, lehnen aber radikale und unrealistische Maßnahmen ab, die gerade den Auftraggebern nicht zuzumuten seien.
Natürlich werden bei den seltenen Zusammenkünften der führenden Synchronfirmen (die sogenannten S7-Gipfel für synchrone Nachhaltigkeit) auch weitreichende Ziele diskutiert, die bis ins Jahr 2050 reichen. Aber konkrete Maßnahmen, wie und in welchem Zustand wir diese Ziele erreichen, werden meist nur an- gedeutet und bleiben eher vage und nebulös.
Umso schockierender hat deshalb die Nachricht (aus gut informierten Kreisen) eingeschlagen, dass auch im Synchronbetrieb demnächst Aktionen unter dem bekannten Motto „Fridays for Future“ geplant sind. Dabei sind Parolen im Gespräch wie „Sägt nicht am Pult, an dem wir morgen noch sprechen wollen!“ oder „30 Takes pro Stunde sind genug!“ Erste Kundgebungen und Studio-Blockaden sind bereits geplant, und es bleibt abzuwarten, ob diese engagierten, meist jungen Kolleg*innen ihren Protest konstruktiv, gewaltfrei und möglichst außerhalb der Produktionszeiten äußern werden. Aber wir wissen ja aus Erfahrung, dass unsere Branche schon ganz andere Krisen wie beispielsweise die erschütternde KIRCH-Pleite ohne Schaden überlebt hat. Selbstverständlich hat niemand etwas gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung. Aber bitte:
RUHE, wenn aufgenommen wird!

Stefan Krause
Synchronisiert schon seit analogen Zeiten in Hamburg, München und (hauptsächlich) Berlin. Er ist seit Anbeginn Mitglied des IVS und der Gewerkschaft ver.di, seit 2007 in der Redaktion der UNSYNCBAR und seit 2019 in der SCHAUSPIEGEL-Redaktion.
Er lebt, liest und arbeitet autolos & mobil in Berlin-Kreuzberg.